Samstag, 7. Dezember 2013

Das Kochbuch für Fischland-Darß-Zingst

Das Kochbuch für Fischland-Darß-Zingst
Geschichten & Rezepte von Deutschlands schönster Halbinsel


Eins vorweg: Ich koche selbst ganz gern. Aber ich hätte dieses wunderbare Buch auch in meinem Regal, wenn das nicht so wäre. Denn es ist weit mehr als ein Kochbuch, in dem sich Rezept an Rezept reiht. Es ist auch, wie der Untertitel schon sagt, ein Geschichten-Buch von „Deutschlands schönster Halbinsel“ – wobei das großzügig gefasst ist, denn die Bandbreite reicht von Stralsund bis rund um den Bodden.

Wenn man es rein von der Kochseite her betrachten will, bietet es herrlich vielseitige Rezepte. So sind ganz alte Gerichte enthalten – unter anderem aus dem „verschollenen Kochbuch der Inge Lettow“ aus Wustrow. Verraten sei hier schon mal, dass in diesem historischen Kochbuch Eingelegte Heringe mit Tomaten stehen oder Junge Hühner in pikanter Soße oder der Apfelmann.

Wer es moderner mag, der findet Rezepte von Chefkochs der Hotels und Restaurants, in denen man lieber vorab einen Tisch reservieren sollte. Pastinakensuppe mit Speck-Backpflaumen aus dem „Schimmel’s“ in Wustrow gefällig? Oder Involtini vom Darßer Hirschkalb aus dem Restaurant „Am Kiel“ in Ahrenshoop?
Sollte jemand Süßes vermisst haben – weit gefehlt, es gibt natürlich auch Dessert-Köstlichkeiten – vom Apfelmus über Elfenspeise bis zum Sanddorn-Schokoladenmousse.

Die Autoren Peter und Katrin Hoffmann haben die Rezepte nicht nur einfach gesammelt. Sie waren ganz oft vor Ort in den Küchen dabei, haben beim Kochen zugesehen und sich vom köstlichen Geschmack überzeugen können. Nachdem sich ihr Vorhaben, ein Fischland-Kochbuch zu schreiben, herumgesprochen hatte, durften sie von Küche zu Küche „wandern“, und so sind mehr als 200 Rezepte zusammengekommen. Da viele davon von Generation zu Generation weitergereicht wurden, waren die Angaben nicht immer den heutigen Standards angeglichen, sondern die Köche und Köchinnen verwandten „ein bisschen“ von diesem, „etwas mehr“ von jenem – nach Gefühl eben, wie das so ist, wenn man traditionelle Familiengerichte zubereitet. Die Autoren haben deshalb diese Rezepte zu Hause selbst ausprobiert, um sie für den Leser durch messbare Mengenangaben nachkochbar zu machen. Was – auf jeden Fall für mich – eine große Hilfe ist. ;-)

Aber ich sagte ja auch schon: Es ist nicht nur ein Kochbuch. Man kann sich vertiefen in Anekdoten über die Fischland-Schriftstellerin Käthe Miete. Man kann lesen über Navigationsunterricht vom Wustrower Kirchturm, vom alten und neuen Kurhaus in Ahrenshoop, es gibt einen kleinen Text von Hans Fallada und kuriose Geschichten wie die über Schätze vom Müllplatz. Auszüge aus alten und neuen Büchern über die Region fehlen ebenso wenig wie berührende Erinnerungen an vergangene Zeiten, verbracht auf dem Fischland und dem Darß. Wer nicht nur lesen will, kann auch gucken: Das Buch ist durchgängig schön illustriert mit Zeichnungen und mit alten und neuen Fotos aus der Region. Dem Auge wird also auch was geboten. Dem Magen sowieso – und ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich nun empfehlen soll, im Buch zu blättern, wenn man gerade Hunger hat – oder doch lieber, wenn man satt ist.

Spaß macht es auf jeden Fall immer! Ich wünsche also: Guten Appetit und viel Vergnügen beim Schmökern!



Katrin und Peter Hoffmann:
Das Kochbuch für Fischland-Darß-Zingst
Geschichten & Rezepte von Deutschlands schönster Halbinsel

Stralsund 2013, 368 Seiten
ISBN 978-3-941093-14-0
24,90 Euro, zzgl. 2,50 Euro Versand
zu bestellen über http://www.strandlaeufer-verlag.de
und natürlich über den Buchhandel


Ganz nebenbei: Falls jemand noch ein Geschenk sucht für einen lieben Menschen, der gern kocht UND liest, wäre das hier, was der Weihnachtsmann bringen könnte! ;-)



Montag, 29. Juli 2013

Haustürgeschichten zwischen Wustrow und Zingst

Türen fand ich schon immer faszinierend. Schon bevor wir das erste Mal dort waren, hatte ich in einem Reiseführer von den wunderschönen Türen auf dem Fischland und dem Darß gelesen und deshalb vorgehabt, mir die irgendwann auf unserem Ostsee-Trip „mal kurz“ anzusehen. Aus dem „mal kurz aufs Fischland“ ist dann ja aus vielen Gründen viel mehr geworden, aber die Türen waren so ziemlich das Erste, über das ich im Zusammenhang mit dem Fischland las.

Logisch, dass mir, einmal angekommen, nicht nur die Türen selbst sofort ins Auge und vor mein Kameraobjektiv fielen, sondern auch das Buch, das ich heute vorstellen möchte. „Haustürgeschichten zwischen Wustrow und Zingst“ von Susanne Menning und Dorit Gätjen lässt keine Wünsche offen, was tolle Bilder der Türen und Häuser auf der gesamten Halbinsel betrifft. Außerdem erfährt man auch etwas über die Geschichte der Häuser, natürlich über deren Türen – und über die Bewohner.

Die Autorinnen beginnen mit Wustrow und berichten als Erstes über die Tür des Hauses in der Neuen Straße Nr. 1, die auf den ersten Blick ganz unscheinbar aussieht, weil sie – ebenfalls nur auf den ersten Blick – völlig ohne Farbe ist. Aber sie ist dafür liebevoll mit wunderschönen Ornamenten verziert.




Von Wustrow wanderen die Autorinnen weiter nach Niehagen, Althagen und schließlich nach Ahrenshoop, wo natürlich das Haus von Käthe Miethe, der weithin bekannten Heimatschriftstellerin des Fischlandes (u. a. „Das Fischland“, „Auf großer Fahrt“), nicht fehlen darf – sowie einige Anekdoten, die von ihr überliefert sind.

Born ist die nächste Station, wir lesen z. B. von Flüchtlingen, die nach dem Krieg in das kleine Dorf kam, dort heimisch wurden und noch heute in einem Haus in der Nordstraße leben, das schon im Jahr 1780 gebaut wurde. In Wieck wurde eine Tür entdeckt, die denen auf dem Fischland sehr ähnlich ist, obwohl Wieck schon auf dem Darß liegt. Und in Prerow – ja, in Prerow wurde einst die „bunte Tür“ quasi erfunden, und zwar vom Maler Theodor Schultze-Jasmer. Wie und warum, verrate ich hier nicht, ist aber natürlich im Buch nachzulesen. ;-)

Tür in der Neuen Straße Nr. 39 in Wustrow

In Zingst schließlich ragt eine besonders vornehme Tür heraus – sie ist ganz in Weiß gestrichen und führt direkt hinein ins Heimatmuseum, einem alten Kapitänshaus, das noch immer „Haus Morgensonne“ heißt, wie es einer der Vorbesitzer genannt hat.

Wer Türen mag und sich für die Geschichten hinter diesen Türen interessiert, für den ist dieses kleine Buch genau die richtige Lektüre, nicht nur zum Lesen, auch zum Gucken, denn viele der farbenfrohen Türen sind ganzseitig abgebildet.


 




Haustürgeschichten zwischen Wustrow und Zingst
Susanne Menning (Text)
Dorit Gätjen (Fotos)
Hinstorff Verlag 2001/2013, 120 Seiten
ISBN: 978-3356015690






PS: Die Tür-Fotos in diesem Post stammen nicht aus dem Buch, sondern von mir. ;-)


Sonntag, 2. Juni 2013

Ostseebad Wustrow – Alles schon gewusst?


Beginnen möchte ich meine Fischland-Buchtipps mit einem ganz druckfrischen Werk.

Erst im April 2013 erschien „Ostseebad Wustrow – Alles schon gewusst?“ von Günther Weihmann, Silvia Priebe und Udo Mammen. Allen, die das Fischland nicht nur in der Natur genießen, sondern mehr über Wustrow wissen wollen, möchte ich dieses Buch besonders empfehlen. In 16 Kapiteln erfahren die Leser Interessantes und Bemerkenswertes über Fischländer Geschichte und Geschichten.


Seit rund einem halben Jahrhundert ist Günther Weihmann bereits auf dem Fischland zu Hause. Sein Archiv ist grenzenlos, der Landstrich und die Menschen liegen ihm am Herzen, was man seinem Buch in jedem Kapitel anmerkt. Im Laufe der Jahrzehnte hat er viele spannende Zeiten erlebt, über die er fesselnd und dank persönlicher Erfahrungen immer authentisch erzählt.

So nimmt er uns unter anderem mit zur weithin bekannten Wustrower Seefahrtschule, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Großherzogliche Navigationsschule gegründet wurde und Anfang der 1990er Jahre ihre Pforten schließen musste. Wir erfahren von der Entwicklung der Seenotrettungsstation, die übrigens die erste in Mecklenburg war, von Einsätzen der Feuerwehr früher und heute, vom Post- und Gesundheitswesen, der Schule und der Kindererholung sowie von ungewöhnlich anmutenden Ereignissen wie der Erdölförderung in Wustrow und der im Februar 1965 gestrandeten „Stinne“, die bis heute, umfunktioniert zum Hotel-Restaurant, am Bodden auf dem Trockenen liegt.


Wer sich für Fischländer Traditionen interessiert, wird begeistert sein vom Tonnenabschlagen, bei dem Reiter in vollem Galopp auf ein über ihnen hängendes Heringsfass einschlagen. Ebenso faszinierend ist es, etwas über das Leben von Menschen zu lesen, die auf dem Fischland gewirkt haben - wie Maler und Schriftsteller oder der Schiffsschnitzer Albert Kriemann, dessen Schicksal niemanden unberührt lassen kann. An den nicht enden wollenden letzten Winter erinnert sich bestimmt jeder, aber der war längst nicht so eisig und lang wie der noch viel weiter zurückliegende Winter, dem ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist.


Zusätzlich zur durchgängig reichen Illustration mit alten und neuen Fischländer Ansichten und Fotos von Einwohnern gibt es Abbildungen von Karten und Dokumenten. So ist z. B. die Urkunde der Ersterwähnung Wustrows aus dem Jahr 1235 zu sehen, der Günther Weihmann gemeinsam mit Kurdirektor Dirk Pasche anlässlich der 775-Jahr-Feier des Ostseebades nachspürte.

"Ostseebad Wustrow - Alles schon gewusst?" ist nicht nur die perfekte Begleitung für den Fischland-Urlaub, es ist auch perfekt für Leser, die das Fischland (noch) nicht kennen und dadurch einen sehr schönen Eindruck bekommen, was sie (bisher) versäumt haben. Und: Leser, die bereits da waren, werden es lieben, damit ihre Erinnerungen aufzufrischen!

 


„Ostseebad Wustrow – Alles schon gewusst?“
Texte: Günther Weihmann, Gestaltung: Silvia Priebe
99 Seiten, 8,50 € (bei Versand + 1,50 €)
ISBN: 978-300-040933-2
Verlag SP „mehrgrafikdesign“

Zu beziehen über:
www.silviapriebe.de
Oder – wer vor Ort ist – im dortigen Buchhandel.